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  Sonstige Rückmeldungen  
   
 

Nicht vorenthalten wollen wir Ihnen auch ein Mail von Univ.Prof. Dr. Herwig Kollartisch, der im Beraterstab des Gesundheitsministers sitzt, oder die Stellungnahme von Mag. Doris Hummer, der Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich – hier machen wir die einzigen Ausnahmen und veröffentlichen sowohl den Namen als auch meine Antwort.

 
   
 
 
   
  Liebe Frau Rührlinger,
Sie haben Ihre Zuhörerschaft ausdrücklich aufgefordert, Ihr Video zu kommentieren, daher bin ich so frei...
Kurz zu meiner Person: Ich bin Infektionsmediziner und sitze im Beraterstab des Gesundheitsministers, bin also für die medizinischen Grundlagen der getroffenen Entscheidungen verantwortlich, nicht jedoch für deren politische Umsetzung.
Ich habe Ihr Video über Freunde bekommen und darf Ihnen dazu gratulieren, Sie haben fair und ohne Untergriffe argumentiert. Was Sie sagen, ist aus Ihrer Sicht vollkommen verständlich und nachvollziehbar. Und dass von seiten der Administration Fehler gemacht wurden und werden, steht ausser Frage, aber Sie finden eine kleine Rechtfertigung ein paar Zeilen später.
Aber: Sie schildern leider nur eine Seite des Problems, nämlich Ihre. Die andere Seite ist: Wir sind von einer Infektion überrollt worden, wie es sie seit den Zeiten der Spanischen Grippe vor 101 Jahren nicht mehr gegeben hat. Wir sind diesem Naturereignis völlig hilflos gegenübergestanden, keine Medikation, die hilft, keine Impfung und nur ganz wenige Daten zum Erreger.
Es ist allen Beteiligten nur ein Weg übriggeblieben: Die Epidemie auszuhungern, indem man Ansteckungen verhindert, eine Methode, die man bereits in der Bibel nachlesen kann...
Für diesen Weg war es nötig, massiv und ohne Rücksicht auf Verluste einzugreifen und Österreich herunterzufahren. Das ist geschehen und der Erfolg gibt jenen, die das veranlasst haben, recht: Österreich steht von allen Ländern Europas und Umgebung heute am besten (!!) da - relativ wenige Infektionen, relativ wenige Tote. Dass es anders gelaufen wäre, wenn man nicht so radikal eingegriffen hätte, sehen Sie derzeit live in den USA.
Und noch etwas: Ich habe Verständnis dafür, dass Sie die medizinische Tragweite dieser Pandemie vielleicht nicht ganz überblicken (dafür überblicke ich sicher nicht ganz die wirtschaftliche Seite). Aber wenn Sie sich ein Bild machen wollen, dann schauen Sie mal kurz im Krankenhaus Wels vorbei und (wenn man Sie lässt) werfen Sie einen Blick auf die Intensivstation oder reden Sie mit einem Intensivmediziner. Vielleicht ändert das Ihren Blickwinkel ein wenig.
Mein Zugang zu der Situation ist der, dass ich davon ausgehe, dass wir mit Opfern (auch meine Ordination ist seit Wochen geschlossen) und auch Leid die wirtschaftliche Situation überstehen und uns wieder erholen werden, für die Verstorbenen trifft das aber nicht mehr zu.
Sie schliessen Ihr Video mit dem Hinweis auf Ihre Kinder und Enkelkinder, leider vergessen Sie aber auf Ihre Eltern und Großeltern - die triffts nämlich und die sterben an dieser Seuche.

Einen schönen Tag Herr Professor Kollaritsch,
natürlich hat sich mein Hilferuf nur auf die wirtschaftliche Seite bezogen und ich hätte vielleicht auch noch erwähnen können, dass ich mit den gesundheitspolitischen Maßnahmen durchaus einverstanden bin, Sie respektiere und wie im Video geschildert, natürlich auch einhalte.
Mit der wirtschaftlichen Seite bin ich allerdings – und darum geht es in meinem Beitrag – absolut nicht einverstanden, da er der einstigen "Wirtschaftspartei" ÖVP einfach unwürdig ist. Noch viel schlimmer ist, dass sich die Wirtschaftstreibenden von ihren Kammervertretern völlig im Stich gelassen fühlen. Mittlerweile fast 200 Mails und Whatsapp-Nachrichten sagen immer das Gleiche: 
keine Unterstützung von den Banken, ganz im Gegenteil, und ein VÖLLIGES VERSAGEN der Wirtschaftskammer. 
Mittlerweile weiß offensichtlich niemand mehr im Lande, wozu wir diese Organisation mit Milliardenguthaben auf der sicheren Seite – möglicherweise für die gut ausgestatteten Pensionen und Opernballlogen – unter dem Multifunktionär Mahrer haben.
Ganz sicher vergesse ich nicht auf meine Eltern und meine 101-jährige Großmutter, sie versteht allerdings nicht mehr so wirklich, warum wir nicht näher kommen und sie herzen wie früher, sondern uns mit ihr aus größerer Entfernung schreiend unterhalten.
Ich liebe meine Eltern und meine Großmutter und schütze diese natürlich, aber das machen sie auch selbst in Eigenverantwortung, indem sie sich an alle Vorgaben und Regelungen halten. Ich liebe aber auch mein Geschäft mit seinen 42 Mitarbeiterinnen, das ist auch ein Teil meines Lebens.
Aber wie gesagt, gegen die gesundheitliche Seite des Krisenmanagements ist nichts einzuwenden, gegen die wirtschaftliche muss man jetzt aufstehen und deutlich und laut sagen: SO NICHT!
Freundlichen Gruß
Christine Rührlinger
Geschäftsführung
 
   
 
 
   
  Liebe Christine,
ich verstehe Deinen Unmut in der derzeitigen Situation. Vor allem die Bereiche des Handels sowie der Gastronomie und Hotellerie sind von den Maßnahmen der österreichischen Bundesregierung zur Eindämmung von Covid-19 besonders betroffen. Dennoch sind und waren die Entscheidungen der Bundesregierung vor allem aus medizinischer Sicht richtig. Dies bestätigen nicht zuletzt die erfreulichen Zahlen der Neuinfizierten.
Für die österreichische Wirtschaft bedeuten die Maßnahmen hingegen eine außerordentliche Belastung. Als Unternehmerin in meinem Familienbetrieb mit rund 150 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und einer kleinen Beratungsfirma mit 10 MitarbeiterInnen weiß ich nur zu gut, wie herausfordernd die einschneidenden Vorgaben waren und sind. Ich habe selber Umsatzrückgänge von 40% - 100%. Ich weiß demnach allzu gut Deine derzeitige Lage einzuschätzen.
Nachdem Du in Deinem Videostatement vom 19. April 2020 auch die Wirtschaftskammer namentlich genannt und kritisiert hast, erlaube ich mir, dazu Stellung zu nehmen, da ich von Dir nicht erwartet hätte, dass derart unreflektierte Pauschalaussagen kommen. Lass mich auch auf Deine Forderung eingehen, wonach die WKO "ihre Milliarden, die sie auf der hohen Kante hat", ihren Mitgliedsbetrieben zu Verfügung stellen soll. Die WK Oberösterreich hat weder Milliarden auf der hohen Kante, noch war sie untätig! Nach 5 Wochen Ausnahmezustand und rund um die Uhr Einsatz – 7 Tage die Woche – sind solche Vorwürfe mehr als unangebracht.  
Als Präsidentin der Wirtschaftskammer Oberösterreich war es mir wichtig, dass die Bundesregierung eine rasche und gezielte Unterstützung für unsere Mitgliedsbetriebe auf die Beine stellt. Mit einem breiten Bündel an Maßnahmen wurden für unterschiedliche Unternehmensgrößen und Unternehmensbereiche mit dem Ziel, die Liquidität in den Betrieben aufrecht zu halten, Unterstützungspakete geschnürt. So wurde durch die Corona-Kurzarbeit ein Modell geschaffen, das es erlaubt, dass Mitarbeiter nicht gekündigt werden müssen sondern durch staatliche Unterstützung im Betrieb weiter beschäftigt bleiben können. Der Härtefallfonds, den die Wirtschaftskammer in Auftrag der Bundesregierung abwickelt, hilft EPUs und Kleinstunternehmen, die entstandenen Einkommenseinbußen auszugleichen. Gerade hier war es die WKO Oberösterreich, die binnen weniger Tage (auch am Wochenende) mehr als 20.000 Anträge bearbeitet hat, sodass Betriebe umgehend finanziell unterstützt wurden. Weiters unterstützt der Corona-Hilfsfonds durch Überbrückungsgarantien und Fixkostenzuschüsse jene mittelständischen Unternehmen, die aufgrund der Krise keine oder kaum Umsätze erwirtschaften konnten. Das wir sofort sämtliche WK Umlagen gestundet haben, ist dir sicherlich auch bekannt. Auch zu erwähnen sei in diesem Zusammenhang das Unterstützungspaket des Landes Oberösterreich, welches wir gemeinsam mit dem Wirtschaftslandesrat entwickelt haben und im Bereich Digitalisierung und KGG Bürgschaften auch gemeinsam finanzieren.
Liebe Christine, ich versichere dir, dass unser Haus der Wirtschaft – die WKOÖ - alles in ihrer Macht stehende unternimmt um unsere Unternehmerkolleginnen und Kollegen in dieser Krise zu unterstützen und zu begleiten, sodass am Ende dieser schwieriger Zeit unser aller Leben zur Normalität zurückkehren kann und sich die Wirtschaft so rasch wie möglich wieder erholt.
Beste Grüße
Doris

Einen schönen Tag, liebe Doris,
ich denke nicht, dass es sich um unreflektierte Pauschalaussagen handelt und Du kannst gerne nachlesen, worauf sich meine Kritik begründet und was ich fordere: https://ruehrlinger.com
Es ist leider so, dass nach 5 Wochen Ausnahmezustand und rund um die Uhr Einsatz – 7 Tage die Woche – noch nichts wirklich Zählbares für einen Handelsbetrieb wie es meiner ist auf dem Tisch liegt und sich die Unterstützung der Wirtschaft durch die Banken sehr in Grenzen hält. Interessant ist, dass die Ärztekammer kurz einmal gefordert hat, dass den Ärzten ihr Verdienstentgang zu 100 % ersetzt werden soll, offensichtlich aber sofort zurückgepfiffen wurde, denn die Artikel, die darüber in den Zeitungen standen, sind online nicht mehr aufzufinden.
Dass sofort sämtliche WK-Umlagen gestundet wurden – natürlich!
Warum sollte ich eine WK-Umlage zahlen sollen, wenn mein Betrieb behördlich geschlossen wurde.
Ich wünsche der WKO und der WKOÖ viel Erfolg bei den Bemühungen mit uns gemeinsam so viele Arbeitsplätze wie nur irgendwie möglich zu erhalten.
Liebe Grüße
Christine